Herzlich Willkommen

An einem Buch wie dem vorliegenden haben, neben dem Autor, alle uns angehenden Zeiten aller Vorfahren gleichen Namens mitgearbeitet, mehr als tausend Jahre. Ein Schatz wird uns da geboten, uns die wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten handelnd oder untätig Zeugen davon wurden, wie vieles von dem, was wir durch unsere Großeltern noch erfahren konnten, ungefragt, verkannt, vergessen worden ist. Ein Schatz: selbst dieses Wort wurde verkannt; man verdächtigt es als kapitalistisch, spätbürgerlich, zurückgewandt, bloß noch alten Hausrat und Trödel bezeichnend, also nach einem Wort Goethes „verstorbnes Zeug“. Etwas von unserer Lebensschwäche zeigt sich immer wieder in unserer Unterschätzung echter Lebenskräfte früherer Zeiten.
Das Verhältnis zum Ursprung unserer Familie oder besser unseres Namens, bewegt sich zwischen zwei entgegen gesetzten Idealbegriffen: dem Thesaurus (Schatzhaus) und der tabula rasa (abgeräumter, leerer Tisch). Das Sammeln und das Wegwerfen, beides sind stets wiederkehrende Verhaltensweisen vor den Gütern der Kultur. Das 20. Jahrhundert, ausschweifend im Verlieren und Zerstören, auch des Gedächtnisses, begann in seiner zweiten Hälfte eine bewusste Lebendigkeit des Gedenkens auszubilden. Dieses ist aber nicht eine Frage der Bildung; es gibt zu allen Zeiten und in allen Schichten unserer Gesellschaft immer wieder die spontane Hinwendung zu Werten. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden diese in Deutschland allerdings planmäßig verdunkelt oder verspottet, jedenfalls aber geleugnet. Damals, als der Krieger Spartas über den Künstler Athens zum Leitbild erhoben wurde und die Machthaber eines abendländischen Kulturvolkes, erfüllt von der Sucht nach der tabula rasa, ihre Waffen entsicherten, wenn sie nur das Wort Kultur hörten.
Das Wissen um den Ursprung von Namen und Familien ist in Teilen wesentlich älter als die namenkundliche Forschung der Gegenwart. Dieses unterscheidet auch den Adel von bürgerlichen Familien; der Adlige weis, wer seine Vorfahren waren. Er kennt nicht nur seinen Stammbaum der letzten Jahrhunderte, sondern kann auch auf eine (schriftlich) überlieferte Familiengeschichte zurückgreifen, die ihm weitaus mehr als Namen und Daten seiner Ahnen nennt. Die neuere Forschung konnte in Einzelfällen zwar nachweisen, dass adlige Stammbäume auch schon einmal konstruiert wurden, um gewisse Ansprüche auf Ländereien und Titel zu legitimieren. Unabhängig davon, erhalten wir wichtige Einblicke in die Familien- und Namensgeschichte des Abendlandes. Hieraus lassen sich auch für uns Rückschlüsse auf die eigene Familie und den Ursprung unseres Namens ziehen.
Wenn man aber der Frage nach den Ursprüngen der Sprache nachgeht, ist es unvermeidlich, sich mit der Entwicklung unserer Kultur, sogar des Lebens selbst zu beschäftigen. Um zu begreifen, wie der Mensch beschaffen ist, welches Netzwerk von ineinander greifenden Elementen ihn im Laufe seiner Evolution zu dem gemacht hat was er heute ist, ist es notwendig, sich mit seiner Herkunft auseinanderzusetzen. Genau wie die Sprache, durchdringen Namen unser Leben und die ganze Welt, reale und imaginäre, in der wir leben. In der Tat kann man sagen, dass für uns als Menschen die eigentliche Existenz als individuelle Wesen damit verbunden ist, einen Namen erhalten zu haben. Der Mensch wählte sich selbst eine lautliche Identifikation, die seiner Haupteigenschaft oder seinen Talenten (Vorname) und seiner Familie, Abstammung oder Heimat (Nachname) entsprach. Unser vollständiger Name (Vor- und Nachname) kann somit als die sprachliche Interpretation der Seele, welche uns allen von Geburt anhaftet und identifiziert, angesehen werden. Im Laufe der Jahrtausende wurden viele Namen jedoch verunstaltet, verdreht und verschleiert und sind heute nur noch dem namenkundlich Geschulten verständlich. Nichtsdestotrotz haben die Namen nichts von ihrer Bedeutung und suggestiven Wirkung eingebüsst; deshalb haben sie ihren ursprünglichen und vollständigen Sinn behalten. Mit unserem Namen bekamen wir einen wunderbaren Schatz in die Wiege gelegt. Öffnen wir dieses Buch und schauen nach, was er enthält.